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Prominente Gräber : Lothar-Günther Buchheim - Nachruf und Kondolenz
Geschrieben von Friedhof am 07.03.2007 02:26 (11777 x gelesen) Artikel vom selben Autor
Prominente Gräber

Lothar-Günther Buchheim (* 6. Februar 1918 in Weimar; † 22. Februar 2007 in Starnberg) war ein deutscher Schriftsteller, Maler, Kunstsammler, Museumsgründer und Kunstbuchverleger.

Der Kunstsammler und Schriftsteller Lothar-Günther Buchheim ist tot. Er starb am Donnerstag 89-jährig an Herzversagen, wie die Bayerische Staatskanzlei in München mitteilte.



Leben

Lothar-Günther Buchheim war der Sohn der deutschen Malerin Charlotte Buchheim (1891-1964). Er hatte einen Bruder, Klaus Buchheim, der zwei Jahre älter war.

Mit seiner Familie zog er 1924 nach Rochlitz um, wo er seine restliche Kindheit verbrachte. Im Alter von 14 Jahren folgte ein Umzug nach Chemnitz. Hier machte er weite Radtouren mit seinem Bruder, teilweise bis zur Ostsee, um Landschaftsbilder zu zeichnen und diese später in Linolschnitte umzusetzen. Buchheim wurde schon sehr früh als „malendes Wunderkind“ bezeichnet und arbeitete bereits an Zeitungen und Zeitschriften sowie an Kollektivausstellungen mit.

Nach seinem Abitur 1937 zog er nach Italien, wo er sein erstes Buch „Tage und Nächte steigen aus dem Strom“ verfasste. In diesem Werk sammelte er alle Erfahrungen, die er bei einer Donaufahrt mit einem Paddelboot bis ins Schwarze Meer machte.

1939, zwei Jahre bevor dieses Buch veröffentlicht wurde, zog er nach Dresden, um Kunst zu studieren. Nach diesem Studium ging er als Meisterschüler nach München.

Im darauffolgenden Jahr trat Buchheim als Freiwilliger in die Kriegsmarine ein, wo er es nach Einsätzen auf Minenräumbooten, Zerstörern und U-Booten im Zweiten Weltkrieg bis zum Oberleutnant brachte und als Kriegsberichterstatter Dienst tat. Während der Kriegszeit schrieb er viele Bücher über seine Erfahrungen bei der Marine. Auf Notizen seiner Erlebnisse als Besatzungsmitglied eines VII-C-Bootes beruht sein wohl bekanntestes Buch „Das Boot“. 1943, als Buchheim bereits auf einem neuen Kriegseinsatz war, schrieb er, abermals auf einem U-Boot, seinen Roman „Jäger im Weltmeer“, der von einem erbitterten Kampf gegen einen englischen Zerstörer handelt. Von Frühjahr bis August 1944 fuhr er als Leutnant auf der U 96 und entkam mit einem der letzten deutschen U-Boote aus der Festung Brest. Danach floh er quer durch Frankreich mit viel Glück zurück nach Deutschland. Diese letzte Feindfahrt hat er in seinem Opus Magnum, „Die Festung“, erschienen 1995, verarbeitet.

Nach Kriegsende verfasste er Kunstbücher über Max Beckmann, Otto Mueller und Pablo Picasso, die ihn, zusammen mit seinen Büchern über Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg, zur damaligen Zeit sehr bekannt machten. Nach diesen Werken über berühmte Künstler gründete Buchheim 1951 einen Kunstbuchverlag in Frankfurt am Main, der sich heute in Feldafing befindet. In den folgenden 1950er Jahren entstand seine bedeutende Sammlung von Werken des deutschen Expressionismus (vor allem der Künstlergemeinschaft Die Brücke), insbesondere graphischen Werken. Diese erwarb er für einen Spottpreis, da diese Kunst während der NS-Zeit als „entartet“ gebrandmarkt war und ihr Wert noch nicht allgemein anerkannt war.

Danach schrieb und malte er weiter, bevor 1973 „Das Boot“ veröffentlicht wurde.

In der folgenden Zeit führte Buchheim viele Malerreisen nach Spanien, Frankreich und Italien. 1972 machte Buchheim seine weiteste Malerreise. Diese ging über New York und San Francisco bis in die Südsee. Während dieser Reise entstanden viele Aquarelle und Gouachen, die er später die „Tropen von Feldafing“ taufte.

Nachdem Lothar-Günther Buchheim mit knapp 65 Jahren das Malen und Schreiben für die Öffentlichkeit beendete, wollte er zunächst seine gesammelten Werke im Duisburger Lehmbruck-Museum unterbringen. Da dies aber durch Meinungsverschiedenheiten mit der Stadt Duisburg scheiterte, zog er sein Angebot Mitte der 1980er Jahre zurück. 1996 gründete er dann eine gemeinnützige Buchheim-Stiftung, die im Jahre 2001 nach rund 30 jährigen Bemühungen das „Museum der Phantasie“, das heute als „Buchheim Museum“ bekannt ist, finanzierte. In diesem Museum, das in Bernried steht, in dem Buchheim bis zu seinem Tod Direktor war, platzierte er seine angesammelten Werke.

Jahrelang hatte Buchheim geplant, seine auf rund 100 Millionen Euro geschätzte Sammlung in seinem Wohnort Feldafing unterzubringen. Doch die kleine Gemeinde lehnte nach Querelen mit Buchheim, oft als "Poltergeist von Feldafing" tituliert, ab. 1998 brachte ein Bürgerbegehren das endgültige Aus für seine Feldafing-Pläne und Buchheim musste in die benachbarte Gemeinde Bernried ausweichen.

Charakteristisch für ihn war seine Augenklappe, die er auf Grund einer missglückten Augenoperation über dem linken Auge trug.

Lothar Günther Buchheim verstarb am 22. Februar 2007 an einem Herzleiden[1].


Auszeichnungen - Ehrungen

1985 Ehrendoktor der Universität-Gesamthochschule Duisburg
1992 Ehrenbürger der Stadt Chemnitz, 2001 zurückgegeben, weil eine Ausstellung seiner umstrittenen Kriegszeichnungen scheiterte
1993 Ernst-Hoferichter-Preis (gemeinsam mit Asta Scheib, Helmut Seitz)
1998 Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst (gemeinsam mit Hans Werner Henze, Julia Varady


Bücher

Lothar-Günther Buchheim, ein ganz junger Künstler, 1935
Tage und Nächte steigen aus dem Strom. Eine Donaufahrt, 1941 (Neuaufl. 1979, 1981 u. 1987)
Jäger im Weltmeer, 1943
Georges Braque. Das graphische Werk, 1951
Die Künstlergemeinschaft Brücke. Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Otto Mueller, Emil Nolde, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff. Gemälde, Zeichnung, Graphik, Plastik, Dokumente, 1956
Paris am Sonntag (gemalt von Hector Trotin), 1958
Picasso. Eine Bildbiographie, 1958
Wie malt man abstrakt ?, 1958
Max Kaus. Graphik aus den Jahren 1916–1926, 1959
Max Beckmann, 1959
Graphik des deutschen Expressionismus (gemeinsam mit Friedrich Bayl), 1959
Der Blaue Reiter und die „Neue Künstlervereinigung München“, 1959
Onkel Max (gemalt von Julius Himpel), 1961
Jackie, das Rennpferd (gemalt von Julius Himpel), 1962
Otto Mueller. Leben und Werk, 1963
Jugendstilplakate, 1969
Das Boot, 1973 ISBN 3492021751 Rezension
Staatsgala, 1977
Mein Paris. Eine Stadt vor 30 Jahren, 1977 ISBN 3-492-02294-4
Die Tropen von Feldafing, 1978
Staatszirkus. Mit der Queen durch Deutschland. Eine Reportage, 1978
Hinterglas-Büchlein, 1980
Der Luxusliner. Ein Logbuch, 1980
Der Film „Das Boot“. Ein Journal, 1981
Der Maler Lothar-Günther Buchheim, 1988
Malerbuch, 1988
Hector Trotins Sonntagswelt, 1988
Sächsische Heimat. Meine Jugend in Chemnitz, Dresden, Rochlitz und im Erzgebirge, 1991
Die Festung, 1995 ISBN 3455007333
U-Boot-Krieg, 1997
Zu Tode gesiegt. Der Untergang der U-Boote, 1998 ISBN 3-937501-10-X
Die U-Boot-Fahrer, 1998 ISBN 3-937501-08-8
Der Abschied, 2000 ISBN 3492042732; Rezension


Verfilmungen

Das Boot (D, 1981), unter der Regie von Wolfgang Petersen, mit Jürgen Prochnow, Herbert Grönemeyer, Martin Semmelrogge, Klaus Wennemann, Uwe Ochsenknecht, Otto Sander, Günter Lamprecht, Heinz Hoenig, Martin May, Claude-Oliver Rudolph, Bernd Tauber, Jan Fedder, Hubertus Bengsch, Oliver Stritzel u. a.


Darsteller

Doktor Faustus (D, 1982), nach dem Roman von Thomas Mann, unter der Regie von Franz Seitz (Buchheim spielt darin den Dr. Erasmi)


Literatur

Mirko Wittwar: Das Bild vom Krieg. Zu den Romanen „Das Boot“ und „Die Festung“ von Lothar-Günther Buchheim. Univ. Diss., Berlin 2002.

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