
Oswald Mathias Ungers, kurz: O.M.U., (* 12. Juli 1926 in Kaisersesch/Eifel; † 30. September 2007 in Köln) zählte zu den bekanntesten deutschen Architekten der Nachkriegszeit.
Oswald Mathias Ungers studierte von 1947 bis 1950 an der Technischen Hochschule Karlsruhe bei Egon Eiermann. Er betrieb Büros in Köln (seit 1950), Berlin (seit 1964), Frankfurt am Main (seit 1974) und Karlsruhe (seit 1983).
Ungers war Professor an der Technischen Universität Berlin, wo er 1965 bis 1967 Dekan an der Fakultät für Architektur war. 1967 wurde er Professor an der Cornell Universität in Ithaca, New York und deren "Chairman of the Department of Architecture" von 1969 bis 1975 sowie an der Harvard University in Boston (1973), University of California (UCLA) in Los Angeles (1974–1975), Hochschule für angewandte Kunst in Wien (1979–1980), und der Kunstakademie Düsseldorf (1986–1990). Ungers war Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin.
Oswald Mathias Ungers starb am 30. September 2007 an den Folgen einer Lungenentzündung. Er war verheiratet mit Liselotte Gabler. Aus der Ehe gingen der Sohn Simon Ungers und die Töchter Sibylle und Sophia hervor.
Wirken
Ungers' Bauten zeichnen sich durch strenge geometrische Ordnungsraster aus. Grundlegende gestalterische Elemente seiner Architektur sind elementare Formen wie Quadrat, Kreis bzw. Kubus und Kugel, die Ungers in seinen Entwürfen variiert und transformiert. Dies wird auch in der Fassadengestaltung sichtbar. Er beruft sich in seiner Formensprache explizit auf elementare und vom jeweiligen Zeitgeschmack unabhängige Gestaltungsmittel der Architektur, wobei er sich auf historische Beispiele aus der Architektur bis zurück zur römisch-griechischen Klassik bezieht. Sein Werk wurde daher aber auch gelegentlich als formalistisch kritisiert. Im Zusammenhang mit seiner Bebauung auf dem Messegelände Frankfurt wurde oft von der „neuen Klarheit“ gesprochen. Wie kaum ein anderer Architekt ist Ungers seiner klaren Formensprache über Jahrzehnte treu geblieben; er zählte zu den maßgeblichen Theoretikern der sogenannten Zweiten Moderne.
Bekannte Schüler von Ungers sind unter anderem Rem Koolhaas, Hans Kollhoff und Christoph Mäckler.
Auszeichnungen und Ehrungen
1971 Mitglied des American Institute of Architects (AIA)
1987 Großer BDA-Preise
1987 Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Berlin
1988 Ehrenmitgliedschaft des Bundes Deutscher Architekten (BDA)
1989 Prix Rhenan/Strasbourg
1992 Member of the Moscow Branch of the International Academy of Architecture (IAA)
1997 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1999 Ehrendoktorwürde der TU Berlin
2000 Großer DAI Preis für Baukultur
2001 Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main
2003 Ehrenmitglied der Hochschule für bildende Künste Hamburg
2006 Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
Werke
1951 Mehrfamilienhaus, Köln
1951 Kleiderfabrik und Wohnhaus, Köln
1952-53 Mehrfamilienhaus an der Riehler Straße 29–31, Köln-Neustadt, zusammen mit Helmut Goldschmidt
1953-58 Institut der Hochschulreife, Obernhausen
1955 Mehrfamilienhaus, Köln
1956 Studentenwohnheim an der Goldenfelsstraße 19 (heute Hygieneinstitut der Universität zu Köln), Köln-Lindenthal
1958 Eigenes Wohn- und Bürohaus an der Belvederestraße 60/Quadratherstraße 2, Köln-Müngersdorf (1989/90 erweitert)
1962–67 Wohnhochhaus im Märkischen Viertel, Berlin
1965-66 Wohnanlage am Asternweg in Köln-Seeberg
1967 Mehrfamilienhaus am Hansaring 25 (Haus Reimbold), Köln-Neustadt
1979–83 Wohnanlage am Lützowplatz, Berlin (im Rahmen der IBA)
1979–84 Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt am Main
1980–83 Galeria, 9 und Messe-Torhaus auf dem Messegelände, Frankfurt am Main
1983-91 Badische Landesbibliothek, Karlsruhe
1986 Damaliges Hauptgebäude des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven
1989–96 Thermen am Viehmarkt in Trier.
1990-91 Hofflügel des Haus Bitz, Frechen-Bachem
1990-94 Bundesanwaltschaft, Karlsruhe
1993–95 Familiengericht, Berlin-Kreuzberg
1993–96 Friedrichstadt-Passagen (Quartier 205), Berlin
1993–99 Erweiterung der Messe Berlin
1994 Haus des deutschen Botschafters zu USA Botschaft in Washington, D.C.
1994-95 Haus ohne Eigenschaften, Köln-Müngersdorf
1997 Erweiterungsbau Galerie der Gegenwart für die Hamburger Kunsthalle
1999 Neubau der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung
1999/2000 Umbau des Kunstpalastes der Ehrenhof-Anlage, Düsseldorf
1998-2001 Dorotheenhöfe, Berlin
2001 Wallraf-Richartz-Museum, Köln
2006 Entrée-Situation zu den Kaiserthermen in Trier
Umfeldbebauung des Hauptbahnhofs, Berlin (Projekt)
Umbau des Pergamonmuseums auf der Museumsinsel, Berlin (Projekt)
Ausstellungen
Vom 27. Oktober 2006 bis 7. Januar 2007 veranstaltete die Neue Nationalgalerie zu Berlin eine Werkschau mit dem Titel O. M. Ungers. Kosmos der Architektur. Dabei wurden neben einer Auswahl seiner Projekte auch Beispiele aus seinen Sammlungen (Kunst, Bücher, Modelle) gezeigt.
Literatur
Oswald Mathias Ungers. Architektur 1951–1990, mit einem Beitrag von Fritz Neumeyer, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1991, ISBN 3-421-03010-3
Anja Sieber-Albers (Hrsg.): O. M. Ungers. Zeiträume. Architektur.Kontext. Ausstellungskatalog Wallraf-Richartz-Museum in der Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln, Köln 1999
Andres Lepik (Hrsg.): O. M. Ungers. Kosmos der Architektur, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2006 und Nationalgalerie Staatliche Museen zu Berlin, ISBN 978-3-7757-1820-2
Martin Kieren: Oswald Mathias Ungers, Zürich (München, London)Artemis 1994, ISBN 3-7608-8144-0
Anja Sieber-Albers, Martin Kieren (Hrsg.): Sichtweisen. Betrachtungen zum Werk von O.M.Ungers, Braunschweig/Wiesbaden (Vieweg), 1999
Die Architekturzeitschrift archplus hat in Zusammenarbeit mit dem Ungers Archiv für Architekturwissenschaft (UAA) in der Ausgabe 179/Juli 2006 die "Berliner Vorlesungen" aus den Jahren 1964–65 erstmalig veröffentlicht (Sonderausgabe zum 80. Geburtstag von Oswald Mathias Ungers, bearbeitet von Nikolaus Kuhnert, Anh-Linh Ngo, Stephan Becker, Martin Luce, Gregor Harbusch); Arch+-Verlag, Aachen 2006 ISBN 3-9314-3508-3
Als ergänzende Werksammlung erschien archplus 181 Lernen von O.M. Ungers. Es ergibt einen zu den Vorlesungen komplementären Überblick über O.M. Ungers praktisch-schöpferische Lehrauffassung, die in unzähligen Projekten und vor allem in den „Veröffentlichungen zur Architektur“ ihren Ausdruck fanden.
erfasst von Martin Brotzler
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