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Musiker Gräber - Musikerinnen Gräber : Mstislaw Leopoldowitsch Rostropowitsch ist Tod, Kondolenz und Nachruf
Geschrieben von Friedhof am 06.05.2007 18:36 (1143 x gelesen) Artikel vom selben Autor
Musiker Gräber - Musikerinnen Gräber

Mstislaw Leopoldowitsch Rostropowitsch (russisch Мстислав Леопольдович Ростропович, wiss. Transliteration Mstislav Leopol'dovič Rostropovič; * 27. März 1927 in Baku; † 27. April 2007 in Moskau) war ein russischer Cellist, Dirigent, Pianist und Humanist. Er gilt als einer der bedeutendsten Cellisten aller Zeiten.


Leben

Als Sohn eines Cellisten und einer Pianistin wurde Rostropowitsch in Baku geboren. Vor seinem Studium besuchte er die Gnjessin-Musikschule in Moskau. Im Alter von 16 Jahren kam Rostropowitsch 1943 an das Moskauer Konservatorium, wo er bis 1948 studierte. Seine Fächer waren neben Klavier und Violoncello auch Dirigieren und Komposition. Zu seinen Lehrern zählten Schostakowitsch und Prokofjew.


Rostropowitsch wurde zunächst als Cellist weltberühmt. Seine internationale Karriere startete 1964 mit einem Konzert in Deutschland. Um 1970 begann er jedoch auch zu dirigieren. Außer seinem musikalischen Interesse, war er stets auch politisch sehr engagiert. Ab 1971 bekam er Ausreiseverbot, weil er den Literatur-Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn, der beim sowjetischen Regime in Ungnade gefallen war, bei sich aufnahm. 1974 verließ er nach schweren Konflikten mit der Regierung die Sowjetunion und wurde Chefdirigent des National Symphony Orchestra in Washington DC, welcher er bis 1994 blieb. Er konzertierte jedoch auch weiterhin als ein sehr aktiver Cellist. 1976 erhielt er den Ernst von Siemens Musikpreis.

1978 wurden ihm die sowjetische Staatsbürgerschaft und alle sowjetischen Auszeichnungen aberkannt. Danach nahm er die Schweizer Staatsbürgerschaft an. Er lebte allerdings in Washington und Paris.

Rostropowitsch setzte sich, nicht nur in seinem eigenen Land, für Demokratie und Menschenrechte ein. Er spielte zahlreiche Konzerte, in denen er sich für Dissidenten und Bürgerrechtler aus Osteuropa einsetzte. Einen Tag nach dem Fall der Mauer reiste er nach Berlin und spielte am 11. November 1989 am Checkpoint Charlie für die wiedervereinigten Berliner Cello. 1990 wurde er durch Michail Gorbatschow, den damaligen Präsidenten der Sowjetunion, rehabilitiert und erhielt die Staatsbürgerschaft und seine Rechte wieder zurück. Während des Putschversuchs in Moskau im August 1991 reiste er spontan in die Hauptstadt, um die Demokratie zu verteidigen.

Rostropowitsch gilt als einer der bedeutendsten Cellisten aller Zeiten. Besonders nachdrücklich setzte er sich für die Musik zeitgenössischer Komponisten ein. Er spielte die Uraufführungen zahlreicher Werke – als Cellist mehr als 100, als Dirigent um die 65. Zu den Komponisten, die für ihn Stücke komponierten, zählen Nikolai Mjaskowski, Sergei Prokofjew, Aram Chatschaturjan, Dmitri Kabalewski, Dmitri Schostakowitsch, Witold Lutosławski, Benjamin Britten, Henri Dutilleux, Arno Babadschanjan, Leonard Bernstein, Pierre Boulez, Alfred Schnittke sowie Sofia Gubaidulina. Sein Instrument war eine Duport Stradivarius aus dem Jahr 1711. Zu seinen bekannntesten Schülern zählt unter anderem Mischa Maisky.

Rostropowitsch war seit 1955 mit der Sopranistin Galina Wischnewskaja verheiratet, mit der er zwei Töchter hat.

Am Freitag, dem 27. April 2007, verstarb Rostropowitsch im Alter von 80 Jahren. Wladimir Putin würdigte ihn mit den Worten: „Das ist ein enormer Verlust für die russische Kultur“. Der Trauergottesdienst wurde am 29. April 2007 in der Christ-Erlöser-Kathedrale in Moskau gehalten.Er wurde nach russisch-orthodoxem Ritus auf dem Friedhof des Neujungfrauenklosters beerdigt.


Auswahldiskografie

Als Cellist

Johann Sebastian Bach: Cellosuiten
Ludwig van Beethoven: Tripelkonzert (mit Herbert von Karajan und David Oistrach und Swjatoslaw Richter)
Benjamin Britten: Cello Symphony (mit Benjamin Britten)
Henri Dutilleux: Cellokonzert (mit Serge Baudo)
Antonín Dvořák: Cellokonzert (mit Herbert von Karajan)
Witold Lutosławski: Cellokonzert (mit Witold Lutosławski)
Sergei Sergejewitsch Prokofjew: Sinfonia Concertante (mit Malcolm Sargent)
Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch: Cellokonzerte (mit David Oistrach)
Richard Strauss: Don Quixote (mit Herbert von Karajan)


Als Dirigent

Sergei Sergejewitsch Prokofjew: Sinfonie Nr. 3, Sinfonie Nr. 4 (Op. 47 und 112), Krieg und Frieden
Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk


Auszeichnungen (Auswahl)

1971, 1978, 1981, 1984, 2004: Grammy-Awards
1976: Ernst von Siemens Musikpreis
1992: Kennedy-Preis
1993: Medaille „Verteidiger der Freiheit Russlands“
1993: Praemium Imperiale
1997: Preis Prinz von Asturien
2004: Sonderpreis der Deutschen-Phonoakademie
2007: Orden „Für Verdienste um das Vaterland“ erster Klasse (Russland)
2007: Mozart-Goldmedaillle der UNESCO


Mitgliedschaften

Ehrenmitglied der Akademie der Künste von Frankreich
Ehrenmitglied Club of Budapest
Ehrenmitglied bei der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien
Mitglied der amerikanischen Akademie der Wissenschaften und Künste
Mitglied der Accademia Nazionale di Santa Cecilia in Rom
Mitglied der Royal Academy of Music
Mitglied der Königlichen Akademie Schweden
Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
ca. 50 Ehrendoktorwürden


Literatur

Autobiographie

Mstislaw & Galina Rostropowitsch: Die Musik und unser Leben. Aufgezeichnet von Claude Samuel. Aus dem Französischen von Annette Lallemand, Scherz, Bern 1985, ISBN 3-502-18641-3 (223 S., im Anhang 10 S. mit Diskographie der Rostropowitsch- und Wischnewskaja-Aufnahmen)


Sekundärliteratur

Hans Heinz Stuckenschmidt / Joachim Kaiser : Laudatio auf Mstislaw Leopoldowitsch Rostropowitsch / Laudatio auf Herbert von Karajan. Ernst von Siemens-Musikpreis, Callwey, München 1977 (37 S., Reihe der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 22)
Ideologisch entartete Elemente. Streng geheime Akten und andere Dokumente über Täter und Opfer bei der Ausbürgergung von Galina Wischenewskaja und Mstislaw Rostropowitsch aus der UdSSR (1974–1978), Ernst Kuhn, Berlin 1995, ISBN 978-3-928864-25-1 (131 S.)
Mstislaw Rostropowitsch (ZEIT Klassik-Edition), Metzler, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-476-02219-6 (64 S., 20 schw.-w. Abb., mit 1 CD)

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